"Mein Herz wurde gebrochen".
Ich schmunzle über die Antworten, die stark variieren. Von meinen Liebsten. Von Menschen, die wissen, dass mein Herz 2020 pulverisiert wurde und seitdem kaum wirklich existent ist.
Ich war immer wieder erstaunt über mich und meine Joy Zeit und die daraus resultierenden Erfahrungen. Alles mit B hat mich in den Wahnsinn getrieben; J's Art zu kommunizieren führte zu dauerhafter Irritation; und nun N. Alles Unannehmlichkeiten.
Es war eine wunderbare kurze Erfahrung mit N in den letzten acht Wochen.
Zu Beginn war ich noch unsicher. Gleichaltriger Mann, der viel zu nett wirkt für die Szene. Nicht unbedingt das, was ich gesucht habe, aber ein entspanntes erstes Abendessen. Das zweite Treffen war dann schon privat - Wein und wunderbar geredet. Bei Treffen drei und vier bin ich sogar über Nacht geblieben. Unüblich für mich seit November, denn J's Bett war der letzte Safe Space, den ich aufgeben musste.
Nur wenige Treffen, aber wir fingen an viel zu schreiben über alles Mögliche. Und Anfang Januar verkündete ich gegenüber G, aber auch C, meinen Crush.
"Meinen Crush" - wie auf zahlreiche Männer zuvor. Ein Wettbewerb darin, wer am wenigsten ein inneres Augenrollen hervorrief. "Meinen Crush" - wie auf junge Spieler-Trainer, an denen ich eigentlich nur mag, wie sie ihr Team auf dem Volleyball-Feld anbölken. "Meinen Crush", wie auf S, der ein Bild von einem Mann ist und mir als Mann in offener Ehe nicht auf den Keks geht.
Und doch mehr Crush als das. Ich hab gespürt, wie ich mit N schreiben möchte, wie ich mich aufs nächste Treffen gefreut habe, wie ich mich einfach wohlgefühlt habe. Nichts, was für die Zukunft gewesen wäre - aber eine zwischenmenschliche Beziehung, die mich für den Moment einnehmen konnte. Und wie immer hätte ich es direkt dort lassen sollen. Als diese Erkenntnis kam.
Seit gestern schwelt es in mir. Die letzten zwei Wochen waren hart. Ich habe mehrere Tage über zehn Stunden gearbeitet und ich habe seit Montag den beginnenden Meltdown gespürt. Über unterschiedliche Themen kamen N und ich gestern zu MaD. Ein Thema, das sowieso schon zu genüge schmerzt, wenn man hinter den aktuellen Stand blickt.
Alles was letztes Jahr zwischen Mai und September vorgefallen ist - tat einfach nur weh. Jeder Kommentar von meinen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen zu MaD und mir - tut einfach nur weh. Und trotzdem wollte ich ihn nie aufgeben.
Ein verheirateter Mann. Etwas, über das ich aus vielen Gründen, nachdem ich es im Nachhinein erfuhr, hinweg gesehen habe. Andere Menschen können darüber weniger hinwegsehen. So wie N.
Ich ging schon davon aus, dass das Thema im Gespräch vorbei ist. Aber dann beförderte er meinen annahenden Shutdown auf ein neues Level.
N. will sich jetzt überlegen, wie er damit umgeht, "schon ne Red flag für mich", sagte er. Und es ist nicht mal so, dass ich das nicht verstehen könnte. Er sagte, er würde es gerne verstehen. Aber nichts, was ich dazu sagen könnte, wäre etwas Anderes als eine Rechtfertigung auf vielen verschiedenen Ebenen. Und es ist ein Gespräch, das ich schon mit zahlreichen Freunden geführt habe. Mit unterschiedlichsten moralischen Wertungen und variierenden Schuldzuweisungen für MaD und mich.
N. und ich diskutieren das Thema noch weiter. Aber ich weine schon während des Schreibens. N. fragt mich, ob ich weinen will, nachdem ich was mit MaD hatte. Und ich will weinen, aber nicht aus den Gründen, die N für vernünftig hält.
Wir belassen es für gestern dabei. Ich weine mich in den Schlaf und schlafe kaum. Am nächsten Tag um 9 Uhr Start einer Lehrveranstaltung, die ich zum Glück im Team gebe.
Von Stunde zu Stunde werde ich noch stärker anxious. Eigentlich wollten N. und ich uns heute sehen, nachdem wir uns Sonntag auf Montag gesehen hatten. Aber neben Krankheit kam jetzt diese tiefe Kluft dazu. N sagt, dass er weiter darüber nachdenken muss, was das mit ihm macht.
"Mein Herz wurde gebrochen",
"Wie heißt die Bitch?", "Ach Quatsch", "Warum das?", "Verpasster Sprachanruf" - einige der Reaktionen meiner Liebsten, die meine schwere Brust etwas leichter machen.
Sie alle nehmen meine Seite ein, verstehen Ns Gefühle und seinen Standpunkt nicht. Und ich komme noch in die Verlegenheit ihn zu verteidigen.
Unabhängig davon, was N für sich zurecht überlegt - ist spätestens jetzt die Situation, wo mein Fluchtinstinkt einsetzt. N hat es bisher so gut geschafft, den überhaupt nicht zu triggern. Und jetzt merke ich, dass ich ihn eigentlich schon zu gerne mochte, weil er prinzipiell ein Mann ist, der ein Safe Space für mich hätte sein können. Und nicht nur sein Bett. Auch wenn unsere Lebensentwürfe nicht zusammengepasst hätten. Und ist das nicht spätestens der Moment, in dem ich weglaufen sollte? In dem der Fluchtinstinkt berechtigt ist? Denn genau das solle ich nicht haben.
Ich nehme - mittlerweile - die Verheirateten in offener Ehe - die keine Erwartungen an mich stellen, und die keinerlei wirksamen Emotionen in mir hervorrufen.
N sagt, er melde sich "auf jeden Fall die Tage" bei mir. In meinem Inneren läuft schon der Abspann.



